Lernen über Grenzen hinweg: Erste Erasmus-Erfahrungen des Campus Blumberg in Estland
Lernen über Grenzen hinweg: Erste Erasmus-Erfahrungen des Campus Blumberg in Estland
Im November nahm der Docemus Campus Blumberg erstmals an einem Erasmus-Austausch teil. Die Reise führte nach Tallinn an die Rocca al Mare School. Im Rahmen eines Jobshadowings begleiteten Sandra Steinfurth, Direktorin des Campus Blumberg, sowie Achim Richter, Campusentwickler und Lehrer, den Schulalltag vor Ort. Der Aufenthalt eröffnete wertvolle Einblicke in Unterrichtspraxis, Feedbackkultur und digitale Lernformen und stand ganz im Zeichen des professionellen Lernens sowie des kollegialen Austauschs.
Jobshadowing, Hospitationen und professioneller Austausch
Zentraler Bestandteil des Aufenthalts war das Jobshadowing mit Unterrichtshospitationen in unterschiedlichen Klassenstufen. Dabei erhielten Sandra Steinfurth und Achim Richter vielfältige Einblicke in Fächer, Lernsettings und didaktische Zugänge. Ergänzt wurden diese Eindrücke durch intensive Gespräche mit estnischen Lehrkräften sowie der Schulleitung unserer Partnerschule.
„Besonders wertvoll war der offene, fachliche Austausch auf Augenhöhe“, resümierte Sandra Steinfurth. „Es geht nicht um das Übernehmen fertiger Konzepte, sondern um Haltung, Reflexion und die gemeinsame Frage, wie Lernen sinnvoll begleitet werden kann.“ Der Dialog machte deutlich, wie sehr Schulentwicklung von Vertrauen, Professionalität und einer klaren pädagogischen Ausrichtung getragen wird.
Feedbackkultur als selbstverständlicher Teil des Unterrichts
Auffällig war die ausgeprägte Feedbackkultur, die in vielen Unterrichtsstunden selbstverständlich integriert war. Rückmeldungen zwischen Lehrkräften und Schülern erfolgten niedrigschwellig, oft mithilfe einfacher Methoden wie roten und grünen Karten, Handzeichen oder kurzen digitalen Abfragen.
„Feedback war jederzeit möglich, ohne den Unterricht zu unterbrechen“, beschrieb Achim Richter seine Beobachtungen. „Diese Klarheit unterstützte die Schüler dabei, ihr Lernen bewusst wahrzunehmen und Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen.“ Feedback wurde so zu einem festen Bestandteil des Unterrichts und zu einem wichtigen Instrument der Lernsteuerung.
Hybride Lernmaterialien und digitale Werkzeuge
Ein weiterer zentraler Impuls lag im flexiblen Einsatz von Lernmaterialien. Lehrbücher, Arbeitsblätter und digitale Endgeräte wurden selbstverständlich miteinander kombiniert. iPads ergänzten den Unterricht sinnvoll, ohne analoge Materialien zu ersetzen. Digitale Tools wie Quizformate oder kurze Lernabfragen förderten Beteiligung, Austausch und Motivation.
Besonders interessant war der Blick auf den Einsatz digitaler Endgeräte in den Jahrgangsstufen 7 und 8 sowie auf den aktiven Lernaustausch unter den Schülern. Lernen zeigte sich hier als gemeinschaftlicher Prozess, der Selbstständigkeit und Kooperation gleichermaßen stärkte.
Spielerische Zugänge und gemeinsames Lernen
Auch der Mathematikunterricht bot wertvolle Impulse. Gearbeitet wurde häufig mit Wochenplänen, die Struktur gaben und zugleich Raum für individuelle und kooperative Lernwege ließen. Aufgaben wurden gemeinsam gelöst, Lösungsstrategien diskutiert und weiterentwickelt.
„Diese Lernform verbindet klare Rahmenbedingungen mit Freiräumen“, so Achim Richter. „Die Schüler entschieden selbst über Tempo, Herangehensweise und Zusammenarbeit – und genau darin liegt ein großes Lernpotenzial.“ Lernen wurde als aktiver, selbstverantwortlicher Prozess sichtbar.
Impulse teilen, weiterdenken und umsetzen
Der Austausch machte deutlich, wie wertvoll gemeinsame Reflexion und das bewusste Teilen von Erfahrungen für nachhaltige Lernprozesse waren. Die gewonnenen Erkenntnisse aus Estland wurden daher nicht nur aufgearbeitet, sondern gezielt ins Kollegium getragen. Im Rahmen der ersten pädagogischen Tagung Anfang Januar 2026 am Campus Blumberg wurden die zentralen Impulse aus dem Erasmus-Austausch vorgestellt, gemeinsam reflektiert und konkrete Umsetzungsmöglichkeiten entwickelt. Das Kollegium wurde eingeladen, diese Impulse aktiv aufzugreifen und in die eigene pädagogische Arbeit einfließen zu lassen.
„Erasmus lebt davon, dass Erfahrungen geteilt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Entscheidend ist, dass aus Impulsen konkrete Schritte für den Schulalltag entstehen“, fasste Sandra Steinfurth zusammen.
Erasmus weiterdenken
Der Austausch in Tallinn markierte zugleich den Auftakt weiterer internationaler Projekte. Geplant sind Weiterbildungen im Rahmen von Erasmus in Spanien und Polen. Darüber hinaus wird ein Schüleraustausch im Mai in Tallinn intensiv vorbereitet, der im Rahmen der Erasmus-AG vollumfänglich organisiert wird.
Der erste Erasmus-Austausch zeigte, wie bereichernd der Blick über den eigenen Tellerrand ist und wie internationale Erfahrungen dazu beitragen, Lernprozesse am Campus Blumberg zunehmend reflektiert, eigenverantwortlich und zukunftsorientiert zu gestalten.